Emanzipatorische betroffenenkontrollierte Forschung aus feministischer und geschlechterkritischer Perspektive

Emanzipatorische betroffenenkontrollierte Forschung aus feministischer und geschlechterkritischer Perspektive
Utta Isop

Langform des Texts unter http://wwwu.uni-klu.ac.at/uisop/wordpress/

Am Beginn der Frauen- und Geschlechterforschung stehen die methodischen Postulate für Parteilichkeit und Betroffenheit von Maria Mies (1978). Diese lauten:
1) „Das Postulat der Wertfreiheit, der Neutralität und Indifferenz gegenüber den Forschungsobjekten ost durch bewusste Parteilichkeit zu ersetzen.
2) Die vertikale Beziehung zwischen ForscherInnen und Erforschten ist durch die gemeinsame „Sicht von unten“ auszutauschen.
3) Die kontemplative, uninvolvierte „Zuschauerforschung“ ist in die Forschungsmethode der aktiven Teilnahme an emanzipatorischen Aktionen zu transformieren.
4) Die Veränderung gesellschaftlicher Verhältnisse wird zum Ausgangspunkt wissenschaftlicher Erkenntnis.
5) Die Wahl des Forschungsgegenstandes wird abhängig gemacht von den allgemeinen Zielen sowie den strategischen und taktischen Erfordernissen der Frauenbewegung.
6) Der Forschungsprozess wird zu einem Bewusstwerdungsprozess für die bisherigen „Subjekte“ wie auch „Objekte“ der Forschung.
7) Orte der Entwicklung einer feministischen Gesellschaftstheorie sind nicht die Forschungsinstitute, sondern die Aktionen und Kämpfe der Bewegung sowie die theoretische Auseinandersetzung über deren Ziele und Strategien.“

Zusätzlich zu den sieben oben genannten Postulaten von Maria Mies sind also folgende, ausgehend von Donna Haraway, Evelyn Fox Keller und Jan Wallcraft zu fordern:

8) Die Anerkennung der „Objekte von Forschung“ als handlungsfähige, zu respektierende und für sich sprechende „Subjekte der Forschung“

9) Betroffenenkontrollierte Forschung soll im Bereich der Human- und Sozialwissenschaften Standard werden

10) Die Voraussetzung für emanzipatorische betroffenenkontrollierte Forschung aus feminstischer und geschlechterkritischer Perspektive sind selbst verwaltete, basisdemokratische und solidarökonomisch organisierte Universitäten