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Peer-to-Peer Universität

Ein interessantes neues Projekt verdient breite Aufmerksamkeit. Die Peer 2 Peer University ist ein Versuch, nicht nur die herkömmlichen Barrieren zwischen Universität und Erwachsenenbildung zu durchbrechen, sondern auch tendenziell die Trennung zwischen Lernenden und Lehrenden. Was im alternativen Schulwesen schon mit einigem Erfolg praktiziert wird, die eigenverantwortliche Schaffung und Realisierung von Lernzielen im Rahmen von egalitären und selbstverantwortlichen Arbeitsgruppen der Lernenden, in der die Lehrendenrolle in die eines Supporters umgewandelt wird, hat die universitäre Welt noch in nicht wirklich berührt. Ich behaupte mal, dass bei den meisten „kooperativen“ Lehrformen an der Universität ein wirklicher Zielfindungsprozess gar nicht stattfinden kann – kein Wunder, ist doch prinzipiell die an der Universität organisierte Forschung und Lehre prinzipiell vom praktischen Leben der Gesellschaft getrennt. Douglas Engelbart hat darauf hingewiesen, dass eine in sich selbst eingeschlossene Theorie, die vom praktischen Interesse an Wissen getrennt ist, strukturell innovationsunfähig wird.

Was mit der Wikipedia begann, die Entwicklung einer Kultur die auf freiwilligen Beiträgen und konsensualer Pflege der entstehenden Commons begann, könnte sich in der P2PU fortsetzen. Darin eingeschlossen ist dass Forschungsinteressen deklariert und eigenverantwortlich verfolgt werden; die Rolle der Maintainance kann dabei durchaus „strenge“ Formen im Sinnvon rigoroser Evaluation und Kontrolle annehmen, solange dies an freiwillige Kooperation (und damit an jederzeit verfügbare Alternativen) gebunden ist können damit durchaus wünschenswerte Effekte erzielt werden.

Franz Nahrada, solcom

Geschlechterbasisdemokratie

Eine solidarische Ökonomie des Wissens setzt eine solidarische Ökonomie der Geschlechter voraus. Ich spreche mich deshalb für eine Förderung basisdemokratischer Geschlechterverhältnisse aus. Darunter verstehe ich zum Beispiel eine Kultur der „men’s care collectives“ wie sie etwa in der Kommune Niederkaufungen gepflogen wird.

Eine Abschaffung kultureller Männlichkeit und Weiblichkeit sollte mit der Förderung strategischer Paradoxa beginnen. Das heißt, die Betonung einer „männlichen Kultur der Pflege und Fürsorge“ stellt ein strategisches Paradox zu bestehenden gesellschaftlichen Verhältnissen dar, das es zu fördern gilt. Nichts hält junge Männer davon ab, sich in Care-Kollektiven zu versammeln als die Weigerung ihre Privilegion abzugeben. Dies möchte ich viel stärker fordern. Junge Männer, ich fordere Euch auf, Eure kulturelle Männlichkeit dadurch abzuschaffen, dass Ihr „Men’s Care Collectives“ gründet und Eure Privilegien aufgebt! Gründet Men’s Care Collectives! Gebt Eure Privilegien auf!

Weitere Forderungen anarchafeministisch-queerer Geschlechterbasisdemokratie sind: 1) Stärkung von losdemokratischen Verfahren; Wahl in entscheidende Ämter unabhängig von der jeweiligen Identität 2) Abschaffung des Geschlechts aus Pässen – weltweiter Reiseverkehr unabhängig von der jeweiligen Identität 3) Stärkere Verknüpfung von Teilzeitarbeit mit Elternschaft und Fürsorgearbeit für alle soll die starke Konzentration auf die Erwerbsarbeit lösen 4) Gratis Güter der Daseinsvorsorge für jede Person ohne Identitätsprüfung 5) Weltweites bedingungsloses Grundeinkommen ohne Bedarfs- und Identitätsprüfung.

siehe genauere Infos unter: http://wwwu.uni-klu.ac.at/uisop/wordpress/?page_id=6

Utta Isop

Von Bologna nach Wien

Abgesehen von einer verqueren Einleitung durch die Jungle World-Redaktion guter Text zu unserem Protest von Leuten aus dem Protest hier zum Abruf.

Wien vor vier Wochen. Eine unsichere Stimme sagt: »Die Akademie der Bildenden Künste ist besetzt.« Niemand bewegt sich. Sie sagt es noch einmal, überzeugter: »Ihr müsst hineingehen!« Zwei Tage später, neun Uhr morgens. Rund 150 Personen treffen sich vor dem Wissenschaftsministerium. Innerhalb dessen Mauern soll an diesem Tag eine der österreichischen Manifestationen des Bologna-Prozesses unterzeichnet werden. Drei Männer verhandeln über die Leistungsvereinbarung der Akademie – ein Vertrag zwischen Rektorat und Ministerium, der das Budget und die inhaltliche Zielsetzung der Uni betrifft. Außen lehnen Studentinnen und Studenten Leitern an die Mauern, um einen Blick durch die Fenster zu werfen, um Transparenz herzustellen.

Bildet Banden! Einleitung zum Themenheft Kritische Geographie, von Bernd Belina

Kritik des bürgerlichen Wissenschaftsbetriebs und alternative Formen kollektiver Wissensproduktion:

Link zum Text hier

Eckpunkte für eine Plattform „Kritik der Universität und Solidarische Ökonomie der Bildung“

Zweck der Plattform ist die Vernetzung und Koordination verschiedener Initiativen, die radikale Bildungskritik betreiben – ausgehend von oder im Rahmen der Uniprotestbewegung – und auf der Suche nach Alternativen sind.

Die Initiativen, Gruppen und Arbeitskreise der Plattform teilen folgende Eckpunkte:

* Bildung und ihre Institutionen sind kritisch und im gesamtgesellschaftlichen Kontext zu thematisieren
* Die Proteste müssen verbreitert und mit anderen emanzipativen gesellschaftlichen Bewegungen verknüpft werden
* Antirassismus und Feminismus sind unverzichtbar
* Im Rahmen einer Solidarischen Ökonomie der Bildung sind alternative Bildungskonzepte und -institutionen zu entwickeln
* Die kapitalistische Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung ist grundsätzlich in Frage zu stellen
* Selbstorganisation und basisdemokratische Strukturen sind wesentlich
* Kritische Wissenschaft und Wissenschaftskritik sind zu verbinden
* Die Rolle von Studierenden und WissenschaftlerInnen im Kapitalismus ist kritisch zu reflektieren

Die Plattform betreibt einen Blog als Portal zu verschiedenen Initiativen. Der Blog sammelt Texte, Links und Termine. Die Plattform organisiert regelmäßige Treffen zwecks Koordination gemeinsamer Aktivitäten und zum inhaltlichen Austausch. Gegebenenfalls werden größere Veranstaltungen gemeinsam organisiert. Sämliche Gruppen, Initiativen und Arbeitskreise, die Teil der Plattform sind, behalten ihre vollständige Autonomie. Die Plattform dient lediglich dazu, kritische Initiativen besser sichtbar zu machen und eine Koordination und Diskussion zwischen ihnen zu erleichtern.